A33-Nord macht keinen Sinn

Professor für Wirtschaftsgeografie analysiert offizielles Zahlenmaterial aus verkehrlicher Sicht

Voller Saal im Gasthaus Lingemann in Rulle, als Prof. Dr. Jürgen Deiters seine Expertise zu den Auswirkungen der A33-Nord im Raum Osnabrück vorstellte.

Am Mittwoch (2. März) stellte Dr. Jürgen Deiters, Professor für Wirtschaftsgeografie im Ruhestand an der Uni Osnabrück, seine Untersuchungen im Saal Lingemann vor.

Circa 100 Zuhörer waren gekommen, um die Erkenntnisse des Wirtschaftsgeografen und Verkehrswissenschaftlers aus erster Hand zu hören. Prof. Deiters betonte, er habe die Untersuchung aus rein wissenschaftlichem Interesse durchgeführt habe. Die Diskussion zur A33 verfolge er als Osnabrücker Bürger seit vielen Jahren, und nun wollte er sich konkret mit den offiziellen Verkehrszahlen beschäftigen. Dazu habe er sich auf die im Jahre 2013 im Auftrag der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr erhobenen Zahlen gestützt.

Nachdem Prof. Deiters weitere Rahmenbedingungen und die offizielle „Verkehrsverflechtungsprognose 2030“ erläutert hatte, zeigte er anhand von Tabellen und Karten die Ist-Situation und die Prognose der Verkehre auf den Autobahnen und den untergeordneten Straßen rund um Osnabrück auf. Der Anteil des überregionalen Verkehrs auf der A33-Nord würde nur zwischen 42 und 45 % liegen und letztendlich würden auf einer zukünftigen A33-Nord nur ca. 13.000 Kfz in Nord-Süd-Richtung im Fernverkehr (Nordwest-Niedersachsen/Nordseehäfen / Nordhessen) fahren. Auch den vermeintlichen Durchgangsverkehr von Mautflüchtlingen auf der B68 durch Osnabrück, der von Vertretern der Stadt häufig benannt werde, könne eine A33 Nord nicht aufnehmen, da dieser unter 1 % liege und somit quasi nicht existiere. Der Verkehr in Osnabrück sei Ziel- und Quellverkehr der Region.

Nach seinem Vortrag beantwortete Prof. Deiters eine Vielzahl von Fragen der Zuhörer. Bürgermeister Otto Steinkamp erläuterte das gemeinsame Vorgehen der Gemeinden Wallenhorst und Belm in engem Zusammenschluss mit den Bürgervereinen von Wallenhorst und Icker und dem Umweltforum Osnabrücker Land.

Prof. Deiters erklärte weiterhin, die A33-Nord könne auch nicht die gleiche verkehrliche Wirkung für den Verkehr in der Stadt Osnabrück erzielen wie die A30 zwischen den Kreuzen Lotte und OS-Süd. Die A30 sei schon 1967 zuerst als B65 zur Südumgehung von Osnabrück gebaut worden und dann 1975 zur A30 hochgestuft worden. Aus dieser geschichtlichen Entwicklung habe sie vier Anschlussstellen auf nur 12 Kilometern Strecke. Diese Verhältnisse und deren Auswirkungen auf den innerstädtischen Verkehr könnten nicht auf einen Bau der A33-Nord übertragen werden.

Leider sei die Nutzen-/Kosten-Berechnung für die A33-Nord, auf die er sehr gespannt sei, noch nicht veröffentlicht. Diese müsse aber spätestens mit dem Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes (BVWP) einsehbar sein. Die Berechnungsgrundlagen für diese gesamtwirtschaftliche Betrachtung und Bewertung seien für den jetzt kommenden BVWP neu erstellt und sollen realitätsnäher als die bisherigen sein. Ein Kosten/Nutzen-Verhältnis > 1 sei die Voraussetzung zur Aufnahme eines Projektes in den BVWP.

Das Fazit von Prof. Deiters:

  • Der Bau einer Bundesautobahn mit einer Kapazität von bis zu 70.000 Fahrzeugen sei für nur ca. 13.000 Kraftfahrzeuge des überregionalen Verkehrs nicht zu rechtfertigen.
  • Der Ausbau der A30 südlich von Osnabrück auf 6 Fahrstreifen könnt den Mehr-Verkehr, der sich nach den Lückenschlüssen der A30 bei Bad Oeynhausen und der A33-Süd bei Halle ergeben werde, problemlos bewältigen.
  • Ein Ausbau der A30 südlich von Osnabrück könne sogar vermieden werden, wenn man die Auffahrten zur A30 mit einer Zuflussregelung durch Ampeln ausgestattete. Alternativ könne auch der Standstreifen temporär freigegeben werden. Dies könne die Kapazität um 25 bis 30 % steigern. Beispiele für diese beiden Maßnahmen gebe es ausreichend und erfolgreich erprobt in Nordrhein-Westfalen.


Das vorhandene Autobahnnetz besitze also noch erhebliche Kapazitätsreserven, die ausgeschöpft werden sollten, ehe der Bau neuer Autobahnen geplant werde, resümierte Prof. Deiters. Abschließend forderte er dazu auf, sich kritisch mit seinen Berechnungen zu befassen und mögliche Fehler oder auch Anregungen unter seiner E-Mail-Adresse jdeiters(at)uni-osnabrueck.de mitzuteilen.

Hier >>> steht die Expertise von Prof. Deiters zum Download zur Verfügung. 

Hier >>> gelangen Sie zur Homepage von Prof. Deiters bei der Uni OS.